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18.03.2014

Boeings Patentstrategie (WIPO Magazine)

Boeing ist zweifellos eines der grössten Technologieunternehmen der Welt. Auch wenn es in der obersten Liga der Flugzeugbranche nur ganz wenige Konkurrenten gibt, so verfolgt Boeing doch eine dezidierte Anmeldestrategie. Per Anfang 2014 soll das Unternehmen über 7000 U.S. Patente und fast doppelt so viele Patente weltweit gehalten haben. Wozu all diese Patente?

Boeings Intellectual Property Manager, Peter Hoffmann, erläutert in einem Interview, das im WIPO MAGAZINE 1/2014 abgedruckt ist, weshalb es für ein Spitzenunternehmen in der Flugzeugbranche wichtig ist, Patente zu halten, obwohl praktisch keine Patentstreitigkeiten geführt werden. 

Ein zentraler Aspekt des Erfolgs sieht Hoffmann darin, innovationsmässig besser zu sein als die Mitbewerber. Dadurch werde die Grundlage für profitable Geschäftsergebnisse und für einen dauerhaften Vorsprung via marktführende Produkte geschaffen. 

Patentiert werden primär all jene Erfindungen, die an den Produkten oder den Dienstleistungen erkennbar seien. Zudem sei der Patentschutz für diejenigen Lösungen wichtig, die sich – beispielsweise mit reverse-engineering - technisch einfach nachbauen liessen. Eine wichtige Überlegung sei aber auch, ob die Erfindung zur Sicherheit geheim gehalten werden könne oder solle. Dies sei vorallem im Bereich Verteidigungstechnik bedeutsam.

Peter Hoffmann weist darauf hin, dass viele Neuentwicklungen von Boeing in der Anwendung nicht auf Luft- und Raumfahrt beschränkt sind. So kann beispielsweise ein On-Board Netzwerk im Prinzip auch in Automobilen oder Nutzfahrzeugen eingesetzt werden. Boeing lizenziert deshalb zunehmend mehr Patente an andere Industrien. Dies kommt beispielsweise bei internationalen Lieferverträgen im Verteidigungsbereich zum tragen. Die fremden Regierungen sind daran interesssiert, dass die einheimischen Unternehmen Gegengeschäfte machen und Technologien einkaufen können. Die Patente sind daher auch wertvolle Tauschmittel für Boeing’s Auslandsgeschäfte. 

Bei Boeing ist man sich durchaus bewusst, dass das Auslizenzieren der eigenen Technologie zu einer Schwäckung führen kann, wenn man zu weit geht. Aber letztlich kommt es auf die richtige Balance an. Keine Technologie lebt ewig. Daher gilt es, die Lebensdauer einer Technologie beim Auslizenzieren zu berücksichtigen. Und letztlich muss man ständig weiter entwickeln. 

Von aussen gesehen scheint es, dass Boeing sich nur mit Airbus messen muss. Tatsache sei aber, dass eine grössere Zahl kleinerer Flugzeugbauer mit zunehmend attraktiven Flugzeugen in den Markt komme. Die Patente werden deshalb auch wichtig, um sicherzustellen, dass nicht nur Boeing die grossen Entwicklungsanstrengungen machen muss. Die kleineren Wettbewerber werden durch die Patentstrategie von Boeing gezwungen, ihre eigenen Entwicklung zu tätigen und nicht einfach auf dem Rücken von Boeing zu reiten. 

Und wie stellt Boeing sicher, dass das Unternehmen technologisch an der Spitze bleibt? 

Zunächst gibt es verschiedene interne Förderprogramme. Nicht nur werden jährlich herausragende Erfindungen prämiert und gut Wissenschaftler mit speziellen Fellowship-Programmen motiviert. Vielmehr wird auch gezielt an Technologien der Zukunft geforscht, die zwar noch nicht nutzbar sind im Geschäft, die aber eine Bedeutung erhalten könnten. So arbeitet Boeing beispielsweise an einer 3D Printing Technologie, die sich für grössere Stückzahlen und grosse Bauteile eignet. Was auch immer in diesem Bereich entwickelt werden wird, es wird riesige Auswirkungen auf verschiedenste Branchen haben. 

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