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24.09.2013

Innovation Network – Nachmittagsseminar vom 17.09.2013

Was vor einigen Jahren unter dem Stichwort „Rapid Prototyping“ begann, hat sich heute zum Thema „Additive Fertigung“ ausgeweitet. Im Rahmen der regelmässigen Seminare des Innovation Network wurde deshalb die Frage diskutiert: Führt die Verbreitung des 3D Printing zu einer Revolution der Fertigung und der Supply Chain oder handelt es sich um einen Techno-Hype?

Das führende Beratungsunternehmen McKinsey hat in einer jüngeren Studie prognostiziert, dass der Weltmarkt für 3D Printing in 10 Jahren bei rund 500 Milliarden US-Dollar liegen wird. Angesichts des heutigen Umsatzes von schätzungsweise 2,5 Milliarden US-Dollar besteht also ein riesiges Wachstumspotenzial. Es steht ausser Frage, dass Schweizer Unternehmen die Chancen der neuen Fertigungstechnologie erkennen und nutzen sollten.

Wie die rege Diskussion unter den Teilnehmern gezeigt hat, ist es keine einfache Sache, neue Produktionstechniken einzuführen. Schliesslich hat man im Unternehmen über Jahre hinweg Know-how aufgebaut, um eine bestimmte Technologie (zum Beispiel den Spritzguss) zu meistern und damit qualitative Spitzenprodukte anbieten zu können.

Professor Mirko Meboldt erläuterte in seinem Vortrag, dass es beim 3D Printing nicht genügt, diese Methode als Alternative zu einer bestehenden Fertigung zu sehen. Vielmehr ist ein grundlegendes Umdenken nötig. Erst wer versteht, dass Produkte auf ganz neue Weise aufgebaut werden können und dass auf diese Weise neue Nutzen und Kosteneinsparungen realisiert werden, ist in der Lage, die wirkliche Tragweite des Technologietrends zu erkennen. Es geht also nicht einfach um eine neue Technologie, die es erforderlichenfalls einzukaufen gilt, sondern um das Implementieren neuer Business Cases.

Ein illustratives Beispiel ist der Entscheid von Boeing, die Luftzuführungen der Kabine nicht mehr als verschraubten Stapel von Spritzgussteilen, sondern als einstückigen 3D Printing Block zu gestalten. Dadurch wird nämlich nicht nur die Montage einfacher, sondern auch die Wartung: Man erspart sich das vorgeschriebene jährliche Überprüfen und Dokumentieren der Schraubenanspannung.

Mathias Baldinger, der sich als Ökonom mit neuen Geschäftsmodellen unter Einsatz der additiven Fertigung befasst, hat in seinem Beitrag aufgezeigt, welche neuen Möglichkeiten nicht nur auf die Fertigungsbetriebe, sondern auch auf die Dienstleistungsbetriebe zu kommen. Man kann nur sagen: Die Welt wird nicht mehr so sein wie heute!

Damit es so weit kommen kann und die Schweizer KMU nicht auf dem Abstellgeleise landen, hat sich Professor Meboldt zum Ziel gesetzt, zusammen mit einer Handvoll Schweizer Unternehmen einen Praxistransfer-Prozess zu entwickeln, der es ermöglichen soll, dass in Zukunft jedes interessierte KMU sich mit geringen Investitionen das Basis-Know-how aneignen kann, das nötig ist, um die Technologie zu verstehen und im Rahmen eines Business Modells anzuwenden.